FLENSBURGER SCHIFFSBAU- GESELLSCHAFT

Es war eine mutige Entscheidung 1872 zu verkünden, dass fünf Männer beabsichtigen in Flensburg eine Aktiengesellschaft zum "Bau eiserner Segel- und Dampfschiffe" zu gründen. Interessenten konnten im Comptoir der "Flensburger Dampfschiffahrtsgesellschaft von 1869" den Prospekt empfangen, die Statuten einsehen und waren natürlich aufgefordert Aktien zu zeichnen.

Bis dahin hatte die "Flensburger Dampfschiffahrt-Gesellschaft" ihre Schiffe in England bestellt, doch aufgrund der Lieferfristen war notwendig in Flensburg selbst Dampfer zu bauen. Zumal Flensburg nach langen Jahren der wirtschaftlichen Rezession, in erster Linie bedingt durch wirtschaftliches Hin und Her, noch keinen richtigen Aufschwung geschafft hatte. Die geplante Werft sollte nicht nur der eigenen Reederei dienen, sondern auch für auswärtige Kunden Schiffsbau betreiben. Zu dem von den Gründern fest übernommenen Aktienkapital von 50000 Thalern kamen schnell weitere 175000 Thaler hinzu, so dass schon am 3.7.1872 die konstituierende Versammlung im Lokal der Harmoniegesellschaft stattfinden konnte. Vorstand und Aufsichtsrat wurden gewählt und die Statuten genehmigt. Weiterhin wurde ein zu 10% eingezahltes Grundkapital von 225000 Thalern festgestellt. 

Der Gesellschaft gelang es im Folgenden, ein 27135qm großes Gelände an der Westseite des Flensburger Hafens von der Stadt zu erwerben. So konnte in der am 26.9.1874 stattfindenden ersten ordentlichen Generalversammlung nicht nur von einem auf 450000 Thaler gestiegenen Aktienkapital berichtet werden, sondern auch, dass der Bau der Werkstätten so weit fortgeschritten war, dass darin gearbeitet werden konnte.

Am 27.2.1875 wurde das erste Schiff fertig gestellt. Danach folgten bis 1891 Segler und Dampfer, bis sich die Werft auf Dampfschiffe spezialisierte. Den 100. Neubau konnten die "Flensburger" im Juni 1889 feiern und 1897 war das 25-jährige Firmenjubiläum. Inzwischen hatte die Firma weitere Grundstücke gekauft und 1892 ein Schwimmdock von etwa 2000t Tragfähigkeit für den Reparaturbetrieb fertig gestellt. Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, erwarb man 5 Villengrundstücke, mit einer Gesamtfläche von 58051qm. Die Regierung genehmigte, die Wasserfläche vor dem neuen Gelände bis an das tiefe Wasser aufzufüllen. Auf diesem Areal konnten 5 Hellinge für Schiffe bis 150m Länge und 20m Breite gebaut werden. 

Dies alles geschah zu Zeiten von Hochkonjunktur und Wachstum, doch die Folgejahre insbesondere nach 1904 waren schwierig. Zwar hatte man viel in moderne Technik investiert aber die Nachfrage nach Frachtdampfern ließ nach. 

 

Während des 1. Weltkriegs wurde die Werft nicht zum Kriegsschiffbau herangezogen. Sie durfte mit einer kleinen Belegschaft ihr Handelsschiff-Programm fortsetzen. Bei Kriegsende 1918 waren 9 große Frachter fertig gestellt, die alle an die Siegerstaaten abgeliefert werden mussten. Es folgte eine Beschäftigungskrise, da es deutschen Werften untersagt war, nach Friedensschluss Schiffe über 1000 BRT zu bauen. Erst nach Aufhebung dieses Verbots und nachdem die Regierung Beihilfen zum Wiederaufbau einer Handelsflotte beschloss, schien sich die Lage zu bessern. Man verdoppelte das Aktienkapital auf 6600000 Mark um für die zu erwartenden größeren Geschäfte gerüstet zu sein. Hauptaktionär wurde mit 40% die Thyssen Gruppe.

Weltwirtschaftskrise und Inflation stoppten den Aufwärtstrend jedoch jäh. So wurde das Hauptbeschäftigungsfeld das Abwracken von Dampfern und Seglern. 

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Der 1. November 1923 brachte die Rentenmark und die Gesellschaft gab aus Mangel an Banknoten, eigene Geldscheine aus und stellte am 1.1.1924 ihr Aktienkapital auf die neue Währung um. 

In den folgenden Jahren dümpelte die Werft dahin und die Belegschaft sank von 1500 auf 60 Mitarbeiter Ende des Jahres 1932. Die Flensburger Schiffsbau wäre wohl wie viele andere auch, von einem Konkurrenten aufgekauft und dann abgewrackt worden, wenn die Stadt Flensburg nicht 25% des Aktienkapitals erworben hätte. Aber auch mit Hilfe der Stadt dauerte es bis 1935 ehe man wieder ausreichend Aufträge hatte und 1938 erstmals nach 15 Jahren wieder eine Dividende gezahlt werden konnte. Die Zukunft schien gesichert, denn die Auftragsbücher waren voll.

Der Ausbruch des 2. Weltkriegs verhinderte die Durchführung des vorliegenden Handelsschiffbau-Programms. Statt der Handelsdampfer wurden U-Boote fertig gestellt, bis im Herbst 1943 der Nachweis erbracht werden konnte, dass die Anlagen für den Bau des vergrößerten U-Boot Typs nicht geeignet waren. Damit wurde die Flensburger Schiffsbaugesellschaft für die Friedensarbeit frei, was sie jedoch vor Bombenangriffen der Alliierten nicht schützte. Es gelang dem schwer beschädigten Unternehmen, das zusätzlich noch unter dem spärlich Rohstoffnachschub litt, bis Ende 1947 3 Frachtschiffe zu bauen. Sie mussten jedoch an die Militärregierung abgeliefert werden.

Dem Bau von Fischdampfern nach Ende des Krieges, folgten schon bald wieder Handelsschiffe. Wichtig für die weitere Entwicklung der Werft war der Entschluss, sich Ende der sechziger Jahre mit der Bremer Vulkan- und der Rickmers Werft zu einer Gruppe zusammenzutun, die unter der Bezeichnung "deutscher Mehrzweckfrachter" ein Standardschiff auf den Markt brachte. Durch diese Entscheidung wurde die Auslastung bis Mitte der 70er Jahre gesichert.

1973 kam es zum Wechsel des Hauptaktionärs. Die Thyssen-Bornemisza Gruppe verkaufte ihre Mehrheitsbeteiligung um ihr Geschäft zu konsolidieren. 40% der FSG wurden am freien Markt verkauft, 26% von der Alnwick Harmstorf KG übernommen. 1982 erfolgte dann die Fusion mit der Harmstorf Gruppe, die mittlerweile ihre Beteiligung auf 52% erhöht hatte. Die Flensburger Schiffsbau Gesellschaft wurde in eine GmbH umgewandelt und eine Tochtergesellschaft der Harmstorf AG.

Aber schon 1986 erwies sich die Fusion als nicht vorteilhaft. Die Harmstorf AG wurde ein Opfer der Werftenkrise, der Konkurs schien unvermeidbar. Der Verkauf der Beteiligung an den "Sauerstoffwerken Nord" an den Mitgesellschafter Linde AG und einige Aufträge der Bundesmarine verhinderten jedoch das Schlimmste. Am 29. September 1986 konnte eine Auffanggesellschaft gegründet werden (alleiniger Gesellschafter war der Konkursverwalter) aus der die heutige Flensburger Schiffbau-Gesellschaft hervor ging. Nach dem Willen des Landes Niedersachsen wäre diese 1989 von der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG übernommen worden, aber der Werftvorstand lehnte dies ab. 1990 erfolgte dann die Übernahme durch die Lübecker Reederei Egon Oldendorff.

Stücke der Kapitalerhöhungen bis 1920:

Jahr

Kapitaländerung

Stückelung der Änderung

Gesamtkapital

Stückelung des Gesamtkapital

1874*

675.000 RM

450 x 1.500 RM

675.000 RM

450 x 1.500 RM

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1874*

Erhöhung 675.000 RM

450 x 1.500 RM

1.350.000 RM

900 x 1.500 RM

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1875*

Erhöhung 420.000 RM

280 x 1.500 RM

1.770.000 RM

1.180 x 1.500 RM

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1891 

Erhöhung 240.000 RM

160 x 1.500 RM

2.010.000 RM

1.340 x 1.500 RM

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1900 

Erhöhung 1.290.000 RM

860 x 1.500 RM

3.300.000 RM

2.200 x 1.500 RM

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1920 

 Erhöhung 3.300.000 M

2.200 x 1.500 M

6.600.000 M

4.400 x 1.500 M

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1924

Umstellung der Reichsmark, 1.500 Mark = 600 Reichsmark

 

2.640.000 RM

4.400 x 600 RM

 

* Nennwert der Emissionen lautete 1500 Reichmark oder 500 Thaler Preussische Courant 

Weitere Papiere:

Anleihe von 1904             Flensburger A 1904-01.jpg (301830 Byte)        Flensburger AB 1904-01.jpg (300145 Byte)     

Genussrecht (blanko)        Flensburger GB 1926-03.jpg (117947 Byte)

Ersatzstücke                    Flensburger 1938-04.jpg (372928 Byte)        Flensburger 1939-08.jpg (365538 Byte)

Aktienblankette                Aktienblankette Flensburger Schiffsbau