DEUTSCHE LEVANTE-LINIE HAMBURG AG

Die Küsten Kleinasiens, Syriens und Ägyptens werden noch heute gelegentlich als die Levante bezeichnet. Für die Schiffahrt im 19. und 20. Jahrhundert war dies die übliche Bezeichnung, für die Länder des östlichen Mittelmeers bis zum Euphrat und dem Nil. Das war zwar vom Begriff her nicht ganz korrekt, tat der Sache jedoch keinen Abbruch, denn zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte die deutsche Schiffahrt entdeckt, dass es sich lohnen könnte dieses Fahrgebiet zu erschließen.

So gründete man am 6. September 1889 die Deutsche Levante Linie mit einem Kapital von 1,5 Millionen Mark, mit der Absicht eine regelmäßige Dampfschiffsverbindung zwischen Hamburg und den Häfen der Levante zu betreiben. Trotz neuer Dampfer  war der Beginn schwierig, denn auch damals schon war gutes Material teuer. Die Konsequenz war die Ausgabe einer Prioritäts- Schuldverschreibung über 750.000 Mark um die etwas zu dünne Eigenkapitalausstattung aufzubessern. Aber auch andere Einflüsse erschwerten den Start, Missernten in der Türkei, eine Cholera Epidemie in Hamburg und der Verlust von Schiffen machten es der Gesellschaft nicht leicht. Bevor 1896 die erste Dividende gezahlt wurde, war das Eigenkapital auf 1,1 Millionen Mark herabgesetzt worden.

Ab 1896 ging es aufwärts, die Durststrecke war überwunden und im 10 Geschäftsjahr konnte man eine Flotte von 21 Dampfern vorweisen. Zwar kam es in den Folgejahren immer wieder zu Einbrüchen durch Missernten und Seuchen im Fahrgebiet, die Deutsche Levante Linie entwickelte sich trotzdem weiter und hatte 1903 30 Dampfer in Betrieb. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs stieg diese Zahl, durch Übernahme der Dampferlinien Atlas GmbH, A.C. de Freitas & Co. und H.C. Horn, sowie günstiger Konjunktur auf 62 Dampfer. Die Gesellschaft beschäftige auf ihren ausgedehnten Kaianlagen 300-400 Kaiarbeiter und 350 kaufmännische und technische Beamte.

Auch während des Krieges verringerte sich die Zahl der Schiffe kaum, aber der Vertrag von Versailles setzte der "ersten" Deutsche Levante-Linie ein Ende. Alle Schiffe mussten abgeliefert werden. Die Reederei kam in den Folgejahren nie ganz zum erliegen, sogar eine 4 1/2 % Obligationsanleihe von 1911 wurde zurück bezahlt,  trotzdem konnte man die Übernahme durch die HAPAG nicht verhindern. 

Am 5. Juli 1935 erfolgte dann die Neugründung, nachdem bei den beiden Großreedereien HAPAG und LLoyd ein Sanierungsplan durchgesetzt wurde und das Reich bei beiden Gesellschaften eine Mehrheitsbeteiligung erwarb. Bei der Neugründung taten sich angesehene Personen des Hamburger Wirtschaftskreises zusammen, um dieses Geschäft in einer selbständigen Gesellschaft erneut zu beleben und gleichzeitig ein Stück Tradition einzukaufen. Die Gründung erfolgte praktisch parallel zur Atlas Levante Linie in Bremen, mit einem Eigenkapital von 4 Millionen Reichsmark.

Gründeraktie der Deutsche Levante Linie von 1935 (173 KB)

Wer an Konkurrenten denkt, den muss man enttäuschen. Die beiden Gesellschaften schlossen einen Poolvertrag und gründeten eine GmbH. Dabei hielt die Deutsche Levante-Linie zwei Drittel der GmbH, die Atlas Levante ein Drittel.  Das zahlte sich aus und noch 1935/36 stockte die Gesellschaft ihr Eigenkapital um 1,5 Millionen Reichsmark auf. Aber der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Der 2. Weltkrieg brach aus und die Zeiten für die Deutsche Levante Linie wurden schlecht. Viele Schiffe gingen verloren und was übrig blieb, musste abgeliefert werden. Außer den Kontorräumen, beschädigtem Anlagevermögen blieben nur einige fähige Mitarbeiter und natürlich Adressen.

Nach dem Krieg ging die Deutsche Levante Linie wieder an den Start, jedoch als Tochtergesellschaft der Bock, Godeffroy & Co.. die 1956 von der Oetker-Gruppe übernommen wurde. An historischen Wertpapieren ist nur das recht häufige Gründerstück der "zweiten Gründung" von 1935 bekannt. Stücke der Kapitalerhöhung 1935/36 wurden bisher nicht angeboten.